Wieder einmal waren viele Menschen aus aller Welt, die sich für die Aufstellungsarbeit interessieren, in Köln zusammengekommen, um sich zu begegnen, zu lehren und zu lernen. Mehr als 750 Teilnehmer, darunter viele Paar- und Familientherapeuten, Berater und Organisationsexperten hatten sich an Pfingsten zum 6. Internationalen Kongress der Systemaufsteller im Maritim-Hotel eingefunden. Sie erneuerten oder knüpften Freundschaften, informierten sich in zahlreichen Vorträgen, Workshops und Panels über die verschiedensten Sicht- und Vorgehensweise der Aufstellerarbeit, tauschten sich aus im Themenfeld zwischen Therapie und Beratung, phänomenologischer Wahrnehmung und dem Wirken einer spirituellen, übergeordneten Ganzheit ... Wobei auch klar wurde: Unabsehbaren Veränderungsprozessen ausgesetzt und ohne ihre Vaterfigur Bert Hellinger sucht die Szene nach einem neuen Selbstverständnis ihrer Arbeit.
Sie fiel diesmal recht kurz aus, Heinrich Breuers Eröffnungsrede im Großen Saal des Hotels Maritim zu Köln. Und sie war im Tenor eher gedämpft. Kein Wunder, musste der DGfS-Vorsitzende doch berichten, dass Michael Weber, als Referent fest vorgesehen, nach einer schweren Operation verstorben war.
Bekümmert nahm das Auditorium auch Breuers zweite Botschaft auf: Bert Hellinger, die Vaterfigur der Aufstellerszene, habe, so Breuer, seine Teilnahme am diesjährigen Kölner Kongress zurückgezogen. Dem Kongress-Organisator sah man an, wie sehr ihn das getroffen hatte. „Ich hätte Bert gerne hier gehabt, damit er uns seine Bewegungen des Geistes selbst vorstellen hätte können. Viele von uns haben Fragen an ihn ...” Enttäuschung war das eine, ehrliche Dankbarkeit das andere. Und so würdigte Breuer schließlich in bewegenden Worten das Erbe des fern gebliebenen Mentors und das, „was uns eint, nämlich die Liebe zur Aufstellungsarbeit, die Liebe zwischen uns allen und natürlich die Liebe zu Bert”.
Zugleich verwies Breuer aber auch auf neue Chancen, die sich nun abzeichneten. „Ich habe den Eindruck, die Szene ist erwachsen geworden, und sie hat sich viel weiter entwickelt, als Bert sich das je gedacht hat” . Das war das Stichwort: Die anfängliche Unsicherheit, die im Auditorium zu spüren war, wich gespannter Erwartung. Erst recht, als Heinrich Breuer die Vorfreude schürte auf „unser Familientreffen” in den kommenden Tagen ...
Und die Familie ist inzwischen ungemein groß geworden: eine Weltfamilie sozusagen. So konnten die Kongress-Organisatoren Heinrich Breuer und Wilfried Nelles viele Gäste begrüßen aus fast allen EU-Ländern, aus Russland und anderen osteuropäischen Staaten, aus Fernost, aus Lateinamerika, aus den USA - und auch aus Australien (eine Entwicklung, die mittlerweile zur Gründung einer neuen internationalen Gesellschaft geführt hat: Der „International Systemic Constellation Association (ISCA)” mit dem 1. Vorsitzenden Hunter Beaumont).
Dass sich darüber hinaus „alles, was Rang und Namen hat in der Aufstellerszene” in Köln ein Stelldichein gab, versteht sich fast von selbst.
Breuers Vorfreude entpuppte sich als begründet: mehr als 100 Veranstaltungen an vier Tagen - Vorträge, Workshops und Panels - bewiesen wieder einmal die Vielfalt und Bandbreite der Aufstellerarbeit, spiegelten die unterschiedlichen Sicht- und Vorgehensweisen wider, mit ihren jeweiligen Stärken, aber auch mit ihren Grenzen. (...)
Kompletter Bericht zum 6. Internationalen Kongress für Systemaufstellungen als PDF.